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Das schwere Gewicht einer Entscheidung

Freibadsanierung - 2,1 Millionen, die zum großen Teil durch Kredit finanziert werden. Die Mehrheit der Krumbacher Stadträte wollte sich noch nicht festlegen

VON PETER BAUER

Krumbach Das Gewicht der Entscheidung war an diesem Montagabend im Stadtrat auf eine eindringliche Weise spürbar. 2,1 Millionen Euro für die Sanierung des Freibades? Weitgehend durch Kredit finanziert, ohne staatlichen Zuschuss? So mancher Stadtrat, der auch gerne Gast im Freibad ist, hatte angesichts der hohen Summe ganz offensichtlich ein flaues Gefühl in der Bauchgegend. Denn was wird mit anderen wichtigen Projekten, wenn Krumbach so viel Geld für die Freibadsanierung ausgibt? Mit der Neugestaltung der Karl-Mantel-Straße, der Sanierung von Stadtsaal, Mittelschule und Rathaus? Die Finanzierung der Badsanierung sei möglich, betonten Bürgermeister Hubert Fischer und Werkleiter Dietmar Müller einhellig. Beide verwiesen darauf, dass sich die Stadt rund ein halbes Jahr mit der Thematik beschäftigt habe, vier Fachbüros seien kontaktiert worden, bevor man sich für das Büro Möller und Meyer (Gotha und Fürstenfeldbruck) entschieden habe. Die Finanzierung sei genau durchgerechnet, die Zeit reif für die Entscheidung. Doch während der Debatte wurde sichtbar, dass eine Reihe von Räten genau dies anders sahen. So wurde die Entscheidung mit knapper Mehrheit auf Montag, 18. März, vertagt.

Am Nichtschwimmerbecken Mitte der 60er Jahre: Peter Faist und Marianne Bader genießen die Brotzeit. Im Hintergrund die damalige Rutsche am Nichtschwimmerbecken.
Foto: Sammlung Mimi Faist

 

Über seine Sanierung wird derzeit immer wieder nachgedacht: Der Stadtsaal in Krumbach, hier noch mit dem ursprünglichen Vorbau und der TSV-Turnhalle aus dem Jahr 1923. 
Foto: MN-Archiv


Weiteres Großprojekt: Die Umgestaltung der Karl-Mantel-Straße in Krumbachs Zentrum.
Foto: lmm

Die Krumbacher Mittelschule soll in den nächsten Jahren energetisch saniert werden.
Archivfoto: Keller

In der Debatte klang auch durch, dass viele Stadträte vor allem mit dem ambitionierten Zeitplan von Verwaltung und Stadtwerken ihre Probleme hatten. Am 4. Februar war die Planung für die Sanierung des Nichtschwimmerbeckens und der Technik in der gemeinsamen Sitzung des Haupt- und Bauausschusses vorgestellt worden. Die „Zustimmung“ zur Planung wurde von Fischer dann für Montag, 25. Februar, angesetzt.

Haushalt 25 Jahre lang belastet

Christoph Helmes (SPD) forderte mehr Zeit für eine Entscheidung. Die Stadt sei zwar seit dem Sommer an diesem Thema dran gewesen, doch die Räte seien erst vor drei Wochen detailliert über dieses Großprojekt informiert worden. „Und da war ich platt“, sagte Helmes angesichts der Dimension des Vorhabens. Infolge der Kreditaufnahme würde über 25 Jahre der Verwaltungshaushalt der Stadt (laufende Einnahmen und Ausgaben) belastet. Dr. Marcus Härtle (UFWG) sprach davon, dass Zinsen eingerechnet die Sanierung des Bades nicht 2,1 Millionen, sondern rund 3,5 Millionen Euro kosten würde.

Häufig treten die verschiedenen Fraktionen in Stadtratssitzungen geschlossen auf. Das war beim schwierigen Thema Freibad zum Teil anders. Zum Beispiel bei der CSU. Auch Claus Brückmann verwies darauf, dass bei einer Verwirklichung der städtischen Planung der Verwaltungshaushalt über 25 Jahre mit rund 150000 Euro zusätzlich belastet sei.

Bädersanierungen standen und stehen auch in Burgau, Weißenhorn und Mindelheim an. Doch Krumbach könne sich bezüglich der Einnahmensituation nicht mit diesen Städten messen, betonte Brückmann. Mit Blick auf das Nichtschwimmerbecken verwies er auf die Situation in Mindelheim. Dort begnüge man sich in einem vergleichbaren Fall mit einer Beckenkopfsanierung.

Von der Planung der Stadt habe man erst vor drei Wochen erfahren, davor habe man keine Zahl gewusst. Die 2,1 Millionen hätten ihm „die Sprache verschlagen“. Bürgermeister Fischer entgegnete, dass Mindelheim mit einer Sanierung zu lange gewartet hätte. Jetzt müsse in improvisierter Form schnell saniert werden. Der Vorschlag der Stadt für das Freibad sei solide vorbereitet und finanzierbar.

Becken wichtig, damit sich Kinder mit Bad identifizieren

Wilhelm Kielmann (CSU) hielt die Sanierung des Beckenkopfes für keine Alternative. Das Problem der Durchströmung sei auf diese Weise nicht zu lösen, da das Nichtschwimmerbecken breiter als das Schwimmerbecken sei. Ein attraktives Nichtschwimmerbecken sei das „A und O“, damit sich Kinder mit dem Bad identifizieren. Sie würden dann auch als Jugendliche und Erwachsene ins Bad kommen.

2. Bürgermeister Gerhard Weiß (CSU) hatte vor drei Wochen noch seine Zustimmung zur Planung signalisiert. Er habe die Planung seinen Kindern gezeigt, erzählte er in der Sitzung vor drei Wochen. Und seine Kinder hätten dann gesagt: „Papa, zustimmen!“ Angesichts der Tragweite der Entscheidung sprach sich aber auch Weiß für weitere Bedenkzeit aus. Man könne auch noch in drei Wochen entscheiden. Christian Plail (UFWG) und Johann Geiger (JW/OL) sahen dies ähnlich.

Dritter Bürgermeister Dr. Josef Langenbach (UFWG) und Albert Kaiser plädierten für den von der Stadt vorgeschlagenen Entwurf, der bekanntlich auch ein neues Edelstahlbecken und neue Attraktionen für das Nachtschwimmerbecken (unter anderem eine Breitrutsche) vorsieht. Kaiser hielt ferner eine Wasserbühne vergleichbar der am Oberrieder Weiher für sinnvoll. Der Förderverein möchte die neue Rutsche finanzieren (rund 60 000 Euro). „Und wenn es mehr wird, freuen wir uns alle“, sagte Kaiser.

Am Ende war die Entscheidung knapp: 12:10 Stimmen für „mehr Zeit“ in dieser Diskussion. „Wir haben dann keine Luft mehr im Plan“, kommentierte Bürgermeister Fischer. Am 18. März müsse die Entscheidung fallen. Wenn es eine Mehrheit für die Sanierung gibt, könnte es am 1. September mit den Arbeiten losgehen und das runderneuerte Bad zur Saison im kommenden Jahr 2014 betriebsbereit sein.

Das Krumbacher Freibad

  • Bau
    Die Arbeiten für das Krumbacher Freibad begannen bereits am 20. Februar 1961. Der Badebetrieb wurde am 30. Juni 1962 eröffnet. Kosten rund 800 000 Mark. Zur Finanzierung war ein Förderverein gegründet worden. An Spenden kamen dann rund 190 000 Mark zusammen.
  • Besucherzahlen
    Sie lagen in den vergangenen drei Jahren bei rund 60 000. Im Rekordsommer 2003 kamen circa 124 000 Besucher.
  • Sanierungspläne
    Die Stadt rechnet mit Kosten von insgesamt rund 2,1 Millionen Euro für die Erneuerung der Technik und ein neues Nichtschwimmerbecken aus Edelstahl und neuen Attraktionen wie einer Breitrutsche. Der größte Teil würde über Kredit finanziert, der Förderverein möchte die Breitrutsche (rund 60 000 Euro) durch Spenden finanzieren. Von den rund 2,1 Millionen Euro Sanierungskosten würden bei der Planung in Edelstahl laut Stadt rund 800 000 für den Bereich des Nichtschwimmerbeckens anfallen, etwa 925 000 für die Technik. (pb)

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aus Mittelschwäbische Nachrichten, MITTWOCH, 27. FEBRUAR 2013